Dienstag, 18. März 2008

Wasser auf´m Wasser lassen

Aus den NEWS :

über Bord gegangen
beim Pinkeln


Unfälle gibt´s …
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Er wollte nur mal kurz nach hinten. Dann war er weg. Beim "Pinkeln" über Bord in die Ostsee gefallen. Wenig später wird der tote Segler an den Strand angespült, der offene Hosenschlitz macht Spekulationen über die Todesursache überflüssig. "Es kommt immer wieder vor, dass männliche Leichen mit heruntergelassener Hose oder offenem Schlitz an den Küsten gefunden werden", sagt Ingo Ohrt von der Wasserschutzpolizei in Kiel.

"Peinliche" Unglücksfälle

Unter Seglern kursiert der Satz, dass mehr Leute beim Pinkeln über Bord gehen als bei schwierigen Segel-Manövern. Und das oft auch noch mit tödlichem Ausgang. Genaue Zahlen gibt es nicht. Denn Pinkel-Unfälle werden, wenn nicht völlig verschwiegen, so doch meistens verschleiert und amtlich umdeklariert.

Komplizierter Balanceakt
Auf Anhieb lässt sich das Problem nicht ohne weiteres nachvollziehen: Was Landratten auf festem Boden wie im Schlaf erledigen, soll auf See zur Zirkusnummer werden? Nun, wenn Männer über die Reling pinkeln, handelt es sich um einen hochkomplizierten Balanceakt. Um der brusthohen Segel-Latzhose den Weg nach unten frei zu machen, entledigt sich der von seiner Not Getriebene zunächst einmal seiner Schwimmweste - und das Malheur beginnt.

Entspannt von den Beinen geholt
Öljacke auf, Hosenträger los und die sperrige Hose auf die Knie runterzerren. Und dann das Schwierigste: Muskel entspannen, um überhaupt Pinkeln zu können. Hat man es dann endlich geschafft, sich locker zumachen, "knallt das Schiff garantiert in eine Welle, so dass man eine ordentliche kalte Dusche abbekommt und ins Wanken gerät", berichtet ein Jollenbesitzer. Bei schwerer See kann es gar passieren, dass ein Brecher den Seemann von den Beinen holt und ihn wie eine Puppe durch die Luft schleudert.

Tödlicher Leichtsinn
Klar ist: Wer in diesem Zustand, ohne Schwimmweste, mit heruntergelassenen Hosen und ohne sichernde Hand auf der schaukelnden Schiffskante unterwegs ist, handelt ungefähr so irrsinnig wie einer, der sich mit Badelatschen aufs Matterhorn wagt. Dennoch ziehen ausgerechnet die alten Hasen den bequemen Weg an der Reling vor.

Wettlauf gegen die Zeit
Ist der Mann erstmal über Bord gegangen läuft ein gnadenloser Countdown. Als tödlich erweist sich häufig die unterschätzte Wassertemperatur von Ost- und Nordsee, die zu Beginn der Segelsaison gern bei unter zehn Grad liegt. Faustregel: Pro Grad Celsius über Null überlebt ein Mensch etwa drei Minuten. So wird das Rettungsmanöver zum Rennen gegen die Zeit. Wird es eingeleitet, hat sich das Boot oft schon so weit entfernt, dass ein Kopf in bewegter See, bei schlechter Sicht oder womöglich bei Dunkelheit nicht leichter zu finden ist als die Stecknadel im Heuhaufen. Ja, selbst bei guter Sicht lässt sich der Kopf eines Schwimmers zwischen den Wellen allenfalls bis zu einer Distanz von 20 bis 30 Metern ausmachen.

Starke Sprüche ohne Vernunft
Trotz alledem: Über das Thema "Pinkeln an Bord" zu diskutieren, halten die meisten Wassersportler nach wie vor für imageschädigend. "Eimersitzer" gelten konsequenterweise als die Warmduscher unter den Seglern. "Unmännlich", urteilt ein Segler barsch - "das machen nur unsere Frauen."
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