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Freitag, 8. Oktober 2021

Wurzelgedanken

 "Wurzelpflege" nannte mein Friseur die Heimatbesuche. 

Wenn man  weg zieht, die Heimat verlässt und nach Hause kommt.

Das ist Wurzelpflege.

Die kleinen ausgerissenen Wurzeln müssen gepflegt werden.

Mein alter Friseur schien mir ein weiser Mann zu sein. 

Das ist der eine Teil, 

der Wahrheit. 

Biologisch betrachtet bietet sich mir ein neues Bild. 

Zuerst ist da der Baum, der herausgerissen wird und dann 

an gleicher Stelle wieder eingepflanzt wird. 

Natürlich nehmen ihm seine Wurzeln das übel. 

Hätte doch alles viel leichter sein können. 

Wenn ich aber meinen Gärtner befrage,

sagt der wenn Du eine Pflanze umtopfst,

schneidest Du viele Wurzeln ab.

Damit sich neue Wurzeln bilden können.

Damit die Pflanze an einem neuen Ort 

wieder neu aufblüht und wachsen kann.

Es müssen alte Wurzeln entfernt werden. 

Friseure und Gärtner.

Beide mit der Schere in der Hand.

Beide haben Recht.

Aber ich habe mich entschieden.

Ich habe neue Erde gefunden.

Ich wachse.

Weiter.



Freitag, 17. Mai 2019

blues for the red sun


Die Langeweile der Kleinstadt  ist spürbar. Nichts zu tun, keine Arbeit, keine Freizeitmöglichkeiten. „Alle wollen in die große Stadt.  Ich hab die Kleine satt“ singen die Türen. Da wo es nichts gibt kann alles wachsen wie Unkraut das es nicht gibt. Alle wollen in die Stadt wo sie sich die Mieten nicht leisten können, aber so der Langeweile entkommen zu glauben können. Wie soll man heute noch Heimat definieren wenn alle ständig in Bewegung sind außer denjenigen die nicht wegkommen. Wie soll man wegkommen wenn man sich festgesessen hat?  Alles ruft Gentrifizierung und was passiert? Nichts. Und das soll ja nicht so sein, das nichts passiert, weil es ja das Übel ist, das die Nichtsnutze in die falsche Richtung treibt, weil sie ja nicht wissen wohin. Wohin mit sich und überhaupt. Und überhaupt will man ja wissen wo man hin soll und auch wo man hin will. Schön wenn man Möglichkeit hat an diesem Punkt selbst zu entscheiden.  In China wo die Menschen noch in Bildern schreiben besteht das Wort „Krise“ aus den Bildern Gefahr und Chance. Ist es nicht vielleicht die große Chance gegen den Strom zu schwimmen in eine Gegend die man sich leisten kann? Da wo nichts ist kann Neues entstehen und etwas heranwachsen. Muss ja kein Unkraut sein das es nicht gibt.

Montag, 1. September 2014

Die Belanglosigkeit der Großstadt

14:00 Uhr Strassencafe.
Buntes, belebtes und beliebtes Veedel.
Frühstück.

da sitzt sie fast neben mir
und redet und erklärt 
und erzählt von Gott und der Welt.
Ihrer Welt.
Und Ihr Gott ist ein Algerischer Fußballspieler
mit einer auffälliger Frisur.
Ein Fußballer den selbst die Jungs nicht kennen.
Das macht Eindruck bei den Jungs.
Bei den Jungs bin ich mir aber mit fortlaufender Zeit
immer unsicherer ob sie noch zuhören,
oder irgendwie von ihr hypnotisiert worden sind
diese Stimme und die Leere in ihren Worten
lassen einen bestimmt schläfrig werden.
Permanent lässt sie eine Belanglosigkeit
nach der anderen los und trotzdem
fressen ihr die Jungs aus der Hand.
Das nennt man unkontrollierte Hormone.
Hormone töten Hirnzellen.

Wo ist der Eimer Eiswasser wenn man ihn braucht ?

Und ihre Welt ist groß.
Es gibt ja so viele Städte !
Städte in den sie schon war
und wo sie überall hinwill.
Und die Welt ist groß und ihre Möglichkeiten sind  ......

Und sie hat einen Plan.
Und wenn der Plan nicht klappt
macht sie das Gegenteil.
Das ist der Plan.
Das ist ihre Welt.
Die Großstadt und ihre Belanglosigkeit.

Gefangen in Slang der Jugend,
begrenzt von Nebensätzen
und der neuen Inhaltslosigkeit
von altbekannten Wörtern
strandet die Intelligenz flach an den Strand der Taubheit.

So sieht sie aus.
Jung. Unbedarft. Beliebig.
Sie möchte wirken.
Reif. Erfahren. Urban.
Sie ist nichts
außer der Belanglosigkeit der Großstadt.

Aus der Ferne betrachtet wirkt vieles viel kleiner
Weitblick. (oder die Großstadt aus großer Ferne)